
Ich nicht Ich (2009)
" ... ein erschütterndes Tanzstück über Ichs, die nie eins werden, die nie in Fluss kommen, immer anecken, aus sich rauswollen und dafür nur Second-hand-Haltungen finden. Da hört man nun doch den Handke durch: «Ich habe Personen wie Sachen behandelt […] Ich habe meinen Körper zweckentfremdet. Ich habe die ewige Ordnung gestört."
Ballettanz
"Movement-Zapping, Identity-Hopping, gesellschaftliche Widersprüche und Sinnfragen-Mobbing - trotz der Frage, warum in einem Stück, das sich auf Handke bezieht, kein Wort deutsch gesprochen wird, ist Chyle ein Schelmenstück gelungen, reich an medien- und sozialkritischen Anspielungen. Nicht zuletzt dank der Video-Projektion (Leonie Weber) auf eine der Klappen: Der ganz normale Büroalltag. Hier wuchern unterschwellig - zwischen Topfpflanzen und Teetrinken, bei peniblen Sortiervorgängen - Lust und Frust."
Tanznetz
"Musikalisch wird die durchaus gallig-bittere Parodie noch überhöht durch die Musik von Bernd Konrad, Patrick Bebelaar und Hans Peter Jahn. Mit oft perkussiven Geräuschmusiken begleiten sie die Geschehnisse in der Unter – und Oberwelt, parodieren sie aber auch just mit den Mitteln der klassischen musikalischen Parodie. So ziehen zur Drag-Queen-Nummer wie von fern Fetzen aus einer Cello-Solosonate von Bach am Ohr vorüber. Zur Hunde Nummer - Go Sit! - läuft so etwas wie ein „Marche funebre“ ab. Böse ironisch dann am Ende die gar nicht so zauberhaft gemeinte Musiknummer mit Gartenschlauch und Mundharmonika, bei der die Musiker wie weiße Clowns aus einer der Klappen auftauchen. Quintessenz: Diese Produktion spielt unerbittlich konsequent mit Normen und Formatierungen; und der Begriff „Crossover“ ist hier mehr als nur schöne Worthülse."
Neue Zeitschrift für Musik
Re-inventing Nijinsky (2009)
"Chyle zeichnet seinen Tanz mit peitschenden Armbewegungen in den Raum, lässt ihn wie eine Krankheit vom Körper Besitz ergreifen."
Stuttgarter Zeitung
„Ich bin Gott“ schrieb Vaslav Nijinsky. „Ich bin der Geist in jedem Menschen“. „Ich bin Vaslav“ sagt der brave Bürger am Eingang der Karlskaserne Ludwigsburg in die Kamera. „Ich bin kein wildes Tier“ sagt eine Stimme auf der Bühne, auf der der Videokünstler an einem kleinen brüchigen Wohnwagen zimmert. Fabian Chyle tritt hinzu, drängt kopfüber ins Gefährt sitzt mit dackelohriger Pelzmütze im engen Inneren, trinkt Beuteltee mit dem Alten, entfacht Dampf zwischen seinen Beinen, der aus dem Wagen quillt. Panisch ins Freie stürzend tanzt Fabian Chyle auf dem roten Teppich abrupte, hektische Bewegungen mit den Armen, wieder und wieder die gleiche kurze Strecke. Folgt tanzend einem Scheinwerferspot, holt ihn aber nie ein: Nijinsky auf der Spur. Chyle ist zum Heulen lächerlich und pathetisch, ein wunderbarer Darsteller zwischen bubenhaft albern und todernst."
Ballettanz
Territorial Inbalance (2008)
"...territorial inbalance ist ein starkes, trotz des hohen Abstraktionsgrades sinnlich und gedanklich begreifbares Stück Theater.Fabian Chyle findet expressive, klare, manchmal verstörende Bilder, die dennoch ein Geheimnis wahren."
Stuttgarter Zeitung
"... das Bombardement an Bildern und Tönen wirkt zunächst sinnbefreit. Die destruktiven Elemente? Nichts Neues. Schockierende Szenen? Alles schon mal da gewesen. Und doch entpuppt sich alles als Spiel mit genau diesen Vorurteilen: das Publikum zu irritieren gehört mit zum Konzept. Eine Art Minitrauma in den Köpfen der Zuschauer stimulieren, sie teilhaben lassen am Chaos. Und es funktioniert! Peu à peu kristallisiert sich heraus, dass wir genau das nacherleben dürfen."
Stuttgarter Nachrichten
"Irritieren und eine Art Minitrauma in den Köpfen der Zuschauer stimulieren gehört zum Konzept. Und es funktioniert: Peu a peu kristallisiert sich heraus, das wir genau dies nacherleben dürfen. Gestörte Kommunikation, das Aufheben aller gültiger Regeln von Auslöser und Reaktion, ein territoriales Ungleichgewicht und die Suche nach Sicherheit in der verkehrten Welt, nach beglückenden Drogen und nach Zeichen der Zivilisation , wenngleich die traumatisierten Geschöpfe mit dem Picknicktellern zunächst wenig anfangen zu wissen. Bis sie darin eine neue Art der Fortbewegung ausmachen."
Stuttgarter Zeitung
"Territorial imbalance entpuppt sich als Spiel mit den Vorurteilen , will irritieren, die Zuschauer teilhaben lassen an der orientierungslosen Suche nach Zivilisation, Glück und Ordnung an einer Welt in der herkömmliche Logik, Reaktion und daraus resultierende Folgen unverständlich bleiben."
Ballettanz
M (2007)
"M" ist ein Spiel aus virtuellen und realen Körpern, die als Signalempfänger auf das Vorgegebene individuell reagieren. Gemeindsam ist beiden, dass nur ein Teil nachgetanzt oder abgelehnt werden - ein Verweis auf das Heute, in dem Ganzheitliches "fraktalen Strukturen" weicht. Ist das zäher, harter Tobak? Mitnichten, in "M" zeigen Chyle und Senoner, was in manchen Produktionen fehlt, eine Stringenz mit viel Ironie, die den Zeitgeist auf den Prunkt bringt."
Stuttgarter Zeitung