
Tutuguri (2002)
"Vielfältiges, polyszenisches, simultanes, zerstückeltes Theater, wo sich die Szenen nicht kennen und Zeichen zuwerfen ... wo Körper schreien."
Frankfurter Allgemeine
"Tutuguri - poème dansé" für großes Orchester ist die choreografische Umsetzung des zweiten Teils von "Tutuguri", 1980 von Wolfgang Rihm komponiert. Die Komposition erfolgt unter Anlehnung auf Antonin Artauds Text "Tutuguri - der Ritus der schwarzen Sonne". Sechs Schlagzeuger und ein Chor bilden den mächtigen Klangraum für die sieben TänzerInnen auf den Spuren Artauds in die Gegenwart.
Fabian Chyle und der Raumbildner Bernhard M. Eusterschulte nehmen in ihrer Arbeit die Vorlage auf, die Artaud und Rihm gegeben haben. Das Leben des Schauspielers, Theater-Visionärs und Dichters Antonin Artaud (1896-1948) ist Ausgangspunkt, denn es leitet die Artikulation der eigenen Identität angesichts einer Gesellschaft, die ihm die Anerkennung Antonin Artaud zu sein und kein anderer, verweigerte. Seine Ausbrüche aus dem Korsett angepasster Identitäts-Normen wurden mit Internierung, Verwahrung in Anstalten und Elektroschocks quittiert.
Das Tänzer-Ensemble stellt typenhafte Verkörperungen von Identität dar - ein Schnitt durch Gesellschafts- und Seelenzustände, behaust und eingegrenzt in die Ratio des Quadrats oder den Setzkasten multipler gesellschaftlich sanktionierter und normierter Ich-Schöpfungen. Dann das Aufbegehren gegen die Normierung, ein Anrennen gegen das scheinbar Unumstößliche und funktionell Verfestigte.